an den rändern dort wo das wort
seine lichtstrahlen nicht mehr wirft
pressen wir die wasserzeichen unserer hände
nachtwärts in den ton, wir

brennen den moment
in uralten öfen, halten
die windkalten hände nah
ans heiße metall, schauen

durch dicke glasscheiben
die rundgewölbten schalen des morgens

(c)polaroidkamera

garten verinnerung

nie war alles gemäht dort
nie alles gesagt im astwerk, ein wort
gelegt ins gras: ich
mit dem haselschwert gegen tausend
ein toter vogel im regenfass: wir
zählten die maden, ordneten: uns
den tod auf greifbares maß

großvater teilte nacktschnecken
mit der gartenschere, sie schäumten,
funkelten im tau, so
lernten wir bruchrechnen und
lasen im fallobst die zeit

gefugtes schweigen

vor uns der tisch und kaffee
zwischen den tassen da liegen die worte
da liegen die worte wie schafe im schnee
wir stellen die zäune aus elle und bogen
vor uns die worte der kaffee der tisch
wir haben die streben ins schweigen gezogen
die luft in der lunge brennt eisig und frisch
wir teilen die schwarzen und weißen entzwei
wir hetzen die hunde wir hobeln und reiben
wir reiben uns auf und wir atmen uns frei
wir sehen uns an und wir wissen es nicht
wir lächeln- der rest bleibt im schweigen

vor uns der tisch und kaffee
wir hetzen die lungen im schweigen entzwei
wir sehen die zäune und atmen uns frei
wir teilen den kaffee die schafe gezogen
zwischen den tassen aus elle und bogen
wir reiben das lächeln brennt eisig und frisch
wir stellen die worte auf zäune und tisch
wir sehen uns an und wir wissen es nicht
wir sehen die schafe wir atmen und treiben
wir lächeln wir teilen der rest bleibt im schweigen

vor uns der tisch und kaffee
zwischen den tassen ins schweigen gezogen
die luft in der lunge aus elle und bogen
wir stellen die zäune: der kaffee der tisch
wir hetzen die hunde wir wissen es nicht
da liegen die worte wie schafe im schnee
die luft in der lunge: ein tisch und kaffee
wir sehen uns an – wir hobeln und reiben
wir lächeln wir teilen den kaffee –

und schweigen

© Polaroidkamera

hauttrümmer, antik

ich lege mauern frei
mit pinseln und hämmern, schüttle
tonscherben aus meinem haar,
trage zusammen, lege muster:

eine topographie, ein erinnern, streiche
über das sepiasiegel
der tongebrannten haut, greife
tief in die architektur der zweisamkeit

wie voll waren diese krüge einst?
zerbrochen, diese jetztlinge, herzfrachten
in den schiffen: ihr weg
in die museumshallen

dort bleibe ich:
gast

(c)Polaroidkamera

deine worte

ich trage sie in meinen taschen
neben den kassenzetteln und brotkrumen
sie riechen im winter nach gras
im frühling nach birnen
ich lege sie auf wunde körperstellen
mische sie in den morgen, trinke sie schwarz
wiege sie ab, zähle und sortiere jedes einzelne
nach farbe, klang und gewicht
kaue sie wie betelnüsse, zerreibe sie
schnupfe sie aus der daumenkuhle heraus
ich trage sie als regenschutz, hebe sie auf
meine hand, schweige, höre, lausche
auf das rauschen ihrer geschichten

(c)polaroidkamera

mai

mai

einatmender, nicht aufhörender atem
zug um zug ein sich streckendes, reckendes aus
dehnen bis in den hintersten winkel der spitze der knospe
streckt sich dein sehniges blatthaarkleid

skaliert am zeitmaß der sonne
dein anlaufnehmen, jeder blüte gehör und raum
verschaffend als sei sie die erste und
letzte – die vorläufig einzige im geäst.

(c) polaroidkamera